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Ruderklub am Baldeneysee

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Mastern-Rudern im RaB

Ein Artikel von Horst Stelges (1995)

Dieses ist ein noch relativ junges, aber von Anfang an heiß diskutiertes Kapitel unseres Vereins. Von einer langen Tradition des Altherrenrennruderns im RaB kann man absolut nicht sprechen.

Schon mit der Namensgebung tat und tut sich auch der Deutsche Ruderverband schwer. Wie soll man auch eine Altersgruppe von 27 bis 80 Jahren geschlossen mit einem Namen bezeichnen? Nach den "Alten Herren" und "Alten Damen" (?), die ihren Platz eher in einer Verbindung oder Burschenschaft finden, tauchten die "Veteranen"-Ruderer auf. Veteranen mit Krücken und Holzbeinen aus den verlorenen Weltkriegen - eine Assoziation, die nicht unbedingt die Verbindung zu den strammen Mannsbildern unterhalb der besten Jahre herstellte.

Heute sind wir namentlich bei den "Masters-Männern" und "Masters-Frauen" angelangt, in englischsprachigen Ländern die Bezeichnung für einen akademischen Grad. Aber ob das bei uns in Deutschland der Weisheit letzter Schluß ist?

Wir sprachen von der Tradition des Altersklassenruderns im Raß. Einer der Vorkämpfer war sicherlich, ohne daß er sich dessen bewußt war, unser altverdienter "Charly Krämer", der in diesem Jahr sein 80. Lebensjahr vollendete. Ende der fünfziger Jahre, als er also auch bereits die vierzig überschritten hatte, verblüffte er uns damaligen jungen Dachse damit, daß er es bei der erstmals ausgetragen Klubmeisterschaft in den von unserem Bootsbaumeister Walter Kiesewetter selbstgebauten C-Einern "Nixe" und "Nöck" fertigbrachte, die aktiven Trainingsleute zu schlagen.

Danach gab es einige Jahre lang ausschließlich einen Gig-Doppelzweier mit Maltzahn und Missbach, die als Exoten unseres Klubs das Regattageschehen bereicherten. Erst Ende der siebziger Jahre formierte sich eine Gruppe von ehemaligen Trainingsleuten im Alter zwischen Ende zwanzig und Anfang dreißig, die regelmäßiger und geplanter gemeinsam trainierten. An kleinen, zum Teil internen Regatten wie Kupferdreh, Steele und Bernkastel hatte man schon vorher teilgenommen. Dann erfuhren wir, daß es seit 1975 ein Altherren-Championat gab, auf dem sich die besten Altersklassenruderer trafen und ihre, sehr inoffizielle, Weltmeisterschaft austrugen. In den ersten Jahren wurde der zeitschnellste aller jeweiligen Läufe als Hauptsieger mit einem Pokal besonders geehrt. Später wurde, um die völkerverbindende Gemeinsamkeit zu stärken, jeder Laufschnellste zum Sieger erklärt.

Der 1. Start bei einer solchen Verabstaltung war für den Raß 1977 in Amsterdam. Die Ergebnisse waren vom Winde verweht, es herrschte ein solcher Schiebesturm, daß sich das Wasser im Becken der Bootsbahn im Kreise drehte, den Bahnen fünf und sechs uneinholbare Vorteile bescherte und dafür auf den Bahnen eins und zwei zurückfloß. Das war jedoch gegenüber dem Vergnügen, neben Prinz Bernhard im Festzelt unser Amstel-Bier zu leeren, relativ unwichtig. Die Hauptsache bedeutete: Wir waren dabei, hatten teilgenommen und trafen Mitstreiter aus früheren Regattatagen wieder.

Auch die Meetings der nächsten Jahre waren von Improvisation, Gemütlichkeit und den Abschlußbanketts geprägt. 1978 in Tours / Frankreich hatten wir im Achter (Mindestalter 27 Jahre) mit RIK Amsterdam nur einen Gegner, dem wir zudem noch mit 1/10 Sekunde unterlagen. Unvergeßlich bleibt der Abend, den uns die französischen Gastgeber bescherten. Ein Festbankett auf einem Gut in einer leergeräumten Scheune, gebaut aus hundertjährigen Eichen, hoch wie ein Dom, mit einem gestampften Lehmboden, nur erleuchtet von hunderten von Kerzen in Silberleuchtern auf weißgedeckten Tischen, vor den Toren ein beleuchteter Teich, auf dem weiße Schwäne ihre Bahnen zogen - ein Sommernachtstraum!

Eine negative Steigerung in ruderischer Hinsicht erlebte der 27er Altherrenachter ein Jahr später 1979 in Nottingham. Im Ziele lagen wir 1/100 Sekunde, festgestellt nach stundenlanger Auswertung des Zielfotos, hinter dem Sieger; wahrlich ein Kunststück, nachdem wir an der 500 in Marke noch mit einer Länge geführt hatten. Die Enttäuschung über den Ausgang dieses Rennens führte dazu, daß wir unsere Vorbereitungen danach doch etwas ernster nahmen. In den folgenden Jahren stellten sich dann auch die Erfolge ein, und einige unserer älteren Ruderrecken haben sicherlich an die 20 Siege oder sogar noch mehr auf Altherren- /
Veteranen- / Masters-Championaten errungen.

Allerdings ist die Gemütlichkeit und persönliche Atmosphäre, die noch die Regatten 1980 in Kerteminde / Dänemark und 1981 in Heidelberg prägten, der Hektik und dem Rummel von Großveranstaltungen gewichen.

Fisa-Masters 1993 in Wien - Männer-Doppelvierer MDA 27:
Ekkehard Gruhn, Ansgar Wessling, Georg Bauer und Klaus Borghorst

Die Veteranen-Treffen 1992 in Köln, 1993 in Wien und 1994 in Groningen waren mit nahezu 3000 Teilnehmern aus 40 Nationen die größten Regatten überhaupt. Die Masters-Ruderinnen und -Ruderer aus allen Ländern erschienen hier so exzellent vorbereitet und trainiert, daß die Trauben immer höher hingen. Einzelne Nationen, wie zuletzt zum Beispiel die Italiener, treten mit kompletten Nationalmannschaften in einheitlichen Race-Trikots und mit Verbandstrainern auf. Das Bootsmaterial ist fast immer perfekt auf dem letzten Stand der Bootsbautechnik, und sechs "gelbe" Kunststoffboote in einem Lauf waren keine Seltenheit.

Die Gruppe der RaB-Master-Ruderer hat sich seit den Anfängen 1977 zahlenmäßig stark entwickelt. Aus der mühsam zusammengestellten einen Achtermannschaft ist mittlerweile eine ca. 20 Ruderer starke Truppe erwachsen. Zwar bedeutet die Erweiterung der Masse nicht zwangsläufig eine Erhöhung der Klasse, doch hoffen alle Beteiligten, daß mit persönlichem Einsatz, zusammen mit dem neuen Rennachter, die Masters-Ruderer den RaB auch in Zukunft auf den Regatten Europas würdig vertreten werden.

 

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