Eine kulinarische Gemeinschafts-Rudertour mit Hausbootbegleitung auf der Saône in der Bourgogne

| Wanderrudern

Zwei Stadtmobilbusse mit insgesamt 14 Ruderern, 3 Begleitern und drei Ruderbooten (Turmag, ResiT und Amur) auf dem Hänger machten sich am frühen Morgen des Samstags, den 11. Juli 2026 von Essen aus über Düsseldorf Benrath (wo noch eine Gruppe von Benrather Ruderern aufgenommen wurde) Richtung Luxemburg über Metz und Dijon nach Pontaillier sur Saône auf den Weg nach Burgund, Frankreich.

In der Marina vom französischen Anbieter Les Canalous wurden zwei knapp 15 m lange Hausboote (Peniche F und Tarpon 48) übernommen. Alle fanden ein (wenn auch schmales) Bett in Doppel- oder Zweierkabinen, wobei Annette in den Tiefen der Crewkabine (mit persönlicher Auszieh-Toilette!) im Bug verschwand. Nach der obligatorischen Einführung durch den Anbieter mit einer kurzen Probefahrt aus dem Hafen hinaus und entsprechendem Anlegemanöver am Steg wurden die Ruderboote aufgeriggert, das restliche Gepäck aus Bussen und Hänger ausgeladen und alles in den Winkeln, Ecken und Bodenluken der Hausboote verstaut.

Die ersten Tage sollten 30°C und mehr bringen, und so wurden für jeden der 17 Teilnehmer 3 L pro Tag entsprechend ca. 200 l alleine an Wasserflaschen über das Wochenende – nicht zu vergessen der zusätzliche Sekt und Aperol gebunkert, bzw. in die verschiedenen zur Verfügung stehenden Kühlschränken verstaut. Das mitgebrachte Viereckzelt wurde auf Deck aufgestellt und sollte noch gute Dienste gegen die Sonne und gegen Regen leisten, bis, ja bis es seine Dienste bei einem nächtlichen Sturm einstellte, einknickte und notdürftig geflickt werden musste. Der für den ersten Tag vorgesehene Salat wurde durch von der Hinfahrt übrige mitgebrachte Snacks angereichert und dann konnte das erste Get-together auf dem Deck des ausgeschauten „Partybootes“ stattfinden.

Das mit viel mühsamen Schriftverkehr im Vorfeld geplante Date am nächsten Tag mit einem Vertreter der französischen Behörde (VNF) bei der ersten Schleuse verlief enttäuschend, da weit und breit kein Mensch zu sehen war, außer unserem eigenen begleitenden Landdienst. Wir konnten die „automatische“ Schleuse mit Schlauchzug allerdings auch so bedienen, und so zwängten sich die zwei Hausboote und zwei Ruderboote in die Schleuse, was im Flussverlauf nicht immer gelingen sollte, da die Schleusenlänge im Laufe der Tour kürzer wurde und nur noch zwei Booten Platz ließ. Aber alles kein Problem, da insgesamt wenig Schiffsverkehr herrschte!

Gemächlich ging es dann fast ohne Strömung zunächst flußaufwärts weiter, die Temperatur stieg wie angekündigt auf deutlich über 30°C und die Rudermannschaften suchten für eine erfrischende Siesta die Hausboote auf. Wunderbar, wenn auf Rudertour das Hotel wie ein Schneckenhaus mit Tagesverpflegung, Kaffee, Tee und Wasser mitgeführt werden kann! Überhaupt gestalteten sich die kommenden Tage recht entspannt, da der Flusslauf teilweise idyllisch mäandrierte, teilweise durch Kanalisation und Staustufen mit entsprechenden engen Hochwasserschützen abgekürzt wurde. Selbst ein schmaler fast 200 Jahre alter und knapp 700 m langer - beleuchteter - Tunnel stellte kein unüberwindbares Hindernis dar, da heutzutage eine Ampelregelung den Einbahnverkehr durch den Berg garantiert. Für die Ruder- und Hausboote bleiben jedoch nur wenige handbreit Platz auf beiden Seiten, was allen Steuerleuten und Kapitänen leicht erhöhten Blutdruck bescherte.

Den französischen Nationalfeiertag am 14. Juli verbrachten die Hausboote Heck an Heck an der Reling liegend in Ray sur Saône mit wunderbarem Blick auf das auch nachts beleuchtete Schloss. Für ein Feuerwerk war es wohl zu trocken und so verbrachten wir den Tag mit einer schönen vormittäglichen Rudertourschleife auf der Vielle Saône, vorbei an Feldern und gemächlich kauenden und verdauenden hellbeigen Rindern der dort typischen Rasse Charolais (die später abends noch im Rotweintopf als „boeuf Bourguignon“ landete). Ein Blick vom Schloßberg in die weite Landschaft der Petite Saône mit den Vogesen und dem Jura im Hintergrund lohnte sich, genauso wie der Gang durch das fast menschenleere Dorf mit seinen hellen Steinmauern und seiner schönen Kirche und dem typischen überdachten Waschhaus im Ortskern. Ein kleiner verschlossener Eis- und Getränkeladen, deren freundliche Besitzerin wir herausklingelten und die das Geschäft des Tages machten, war die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort. Direkt am Ankerplatz lud ein Mirabellenbaum nicht nur die hungrigen Wespen, sondern auch die Ruderer zum Pflücken ein und wir genossen am Abend ein herrliches selbstgemachtes Mirabellenkompott.

Überhaupt stand die ganze Tour unter einem (nur?) glanzvollen kulinarischen Stern. Jeden Abend wurden die Tische dekoriert, ein 3-gängiges Menú von wechselnder Küchenbesatzung vorbereitet, und gemeinsam verspeist, nicht ohne die Köche und die hungrige und durstige Mannschaft mit Aperol, Sekt, Wein und ja auch Wasser (!) zu versorgen. So geht „Leben wie Gott in Frankreich“! Die Bilder sprechen hier mehr als Worte!

Nach der Rückkehr in den Heimathafen der beiden Hausboote Pontaillier sur Saône besuchten wir mit den beiden Bussen am letzten ruderfreien Tag noch die französische Stadt Beaune und ein Teil der Gruppe ließ sich von dem schon im 14. Jhdt. gegründete mittelalterlichen Krankenhaus L´Hotel Dieu faszinieren, chillte ganz einfach in den kleinen Cafés der schönen Altstadt und/oder besuchte die bekannte Senfmanufaktur „Fallot & Cie“.

Die Rückreise verlief ohne nennenswerte Probleme, die Boote konnten abends noch gesäubert und aufgeriggert und Hänger und die Stadtmobilbusse wohlbehalten abgestellt werden.

Eine - durch die Selbstversorgung recht erschwingliche - Tour, die so gerne (auch von Anderen) wiederholt werden kann.

Bericht: Horst-Werner Wollenweber
Fotos: Teilnehmende der Wanderfahrt

 

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