Hallo Antonia, schön, dass Du Dir trotz der Vorbereitungen auf das Boat Race Zeit für das Interview genommen hast. Herzlichen Glückwunsch erst einmal, dass Du im ersten Anlauf geschafft hast, in das Blue Boat zu kommen.
Mit meinen bisherigen Erfolgen bei den WM im U23-Bereich wurde ich natürlich gerne im CUBC (Cambridge University Boat Club) aufgenommen, aber deshalb hatte ich den Platz im Blue Boat noch nicht sicher. Das ist die das Ergebnis von vielen Trainingseinheiten mit den Teams. Am Ende musste ich mich in den Ausscheidungsrennen durchsetzen, wie jede andere hier auch. Etwas einfacher wurde es dadurch, dass ich hier auf dem Ergo einen neuen Rekord aufgestellt habe, vielleicht war ich deshalb auch im November beim Ergo-Test des DRV in Dortmund trotz Verletzung so gut in Form.
Was hat Dich motiviert in Cambridge zu studieren?
Als meine Freundin und Ruderkollegin vom RaB Elena von Müller 2021 erstes Boat Race gefahren ist, entwickelte sich der Wunsch, auch diese großartige Erfahrung zu machen. Ich entschied mich dann nach meinem Studium in den USA in Cambridge mit dem Masters (Economics, Stadt- und Raumplanung) abzuschließen und mich für das Rennen zu qualifizieren.
Wie schätzt Ihr Eure Chancen auf den Sieg ein?
Das ist schwer zu sagen, Oxford ist dieses Jahr unter anderen mit zwei aktuellen Olympia-Teilnehmerinnen stark besetzt. Außerdem ist die Crew wahrscheinlich hochmotiviert, nachdem man mehrere Jahre nicht gewinnen konnte, ähnlich wie bei den Männern.
Es gibt da erstaunliche Parallelen zur Ruderkarriere Deines Klubkameraden Tassilo und seiner Schwester Elena.
Ja, ich habe die letzten Jahre in Berkeley in Kalifornien studiert. Tassilo hat vor seinen insgesamt drei Teilnahmen im Boat Race für Oxford in Princeton studiert und an der Ostküste der USA gerudert. Elena ist das Boat Race zweimal gefahren und ist nach Zürich an die ETH gegangen und mit dem Belvoir Ruderclub Schweizer Meisterin geworden.
Im RaB ist da offensichtlich ein kleines starkes Team entstanden, auch über den Sport hinaus, auch wenn jeder seine Ruderkarriere dann allein verfolgt. Was verbindet Dich oder Euch heute mit dem RaB?
Wir haben zum einen eine kurze Zeit zusammen auf dem See trainiert und sind auch sonst viel im Kontakt miteinander. Und da ist natürlich unser gemeinsamer erster Trainer Thomas Wichelhaus, der uns mit der RaB-Trainingsgruppe auf dem Baldeneysee zu Rennruderern ausgebildet und weiter gefördert hat. Der RaB ist für uns alle auch jetzt als Heimatverein die Anlaufstelle und Verbindung zur Nationalmannschaft, wenn es um die Vorbereitungen und Ausscheidungen für die Teilnahme an den internationalen Wettbewerben geht.
Wie man beim DRV liest, wartet man am Leistungszentrum in Berlin schon auf Dich. Wie ist Dein Plan für die Zeit nach Deinem Abschluss in Cambridge? Ist der Achter beim DRV ein Ziel von Dir und sehen wir Dich und Tassilo vielleicht zusammen bei Olympia 2028?
Ja, das ist mein Ziel und Tassilo ist ja schon sehr gut in Dortmund angekommen, wie mir Elena erzählt hat. Nur wird das sicherlich kein Selbstläufer, ich muss mich auch da bei den Ergo-Tests und Zweierausscheidungen durchsetzen.
Das ist eine großartige Geschichte, die ihren Ursprung in der Trainingsgruppe des RaB hat. Die Fortsetzung sehen wir jetzt beim Boat Race in England, die dann vielleicht bei der Nationalmannschaft Ihre Fortsetzung und 2028 ein goldenes Ende findet!
Ja, das wünsche ich mir auch und vielleicht fahren wir danach mal alle zusammen im Mixed Achter ;-) Aber vorher möchte ich gerne im Frauen Riemenachter bei den Olympischen Spielen in Los Angeles rudern.
Letzte Frage - im letzten Jahr konnte Tassilo zusammen mit Jakob Schneider den Stadtachter, quasi das Boat Race von Essen, gewinnen. Sehen wir Dich zusammen mit Elena auch einmal im Vierer bei den Stadtmeisterschaften?
Im Herbst möchte ich mich dem Stützpunkt in Berlin anschließen und ich hoffe, dass ich dann auch die Zeit habe, an den Stadtmeisterschaften in Kettwig teilzunehmen. Voraussetzung ist natürlich, dass Thomas mich für das Boot aufstellt :-) . Vielleicht gewinnt der RaB dann auch mal das Frauenrennen – an der Zeit wäre es.
Vielen Dank für das Interview, Antonia. Wir wünschen Dir und Deinem Team viel Glück für das Rennen. Der RaB schaut beim Public Viewing im Großen Saal zu und drückt fest die Daumen.
Zum Interview mit Antonia auf der offiziellen The Boat Race-Website >>
Veranstaltungshinweis
Wer Antonia und ihr Team live beim Boat Race sehen möchte, ist am Samstag den 4. April 2026 um 15 Uhr im Klubhaus richtig. Im Anschluss zeigen wir das Männer-Rennen. Es sind Interessierte und Ruderinnen und Ruderer aller Vereine herzlich eingeladen.
Public Viewing im Ruderklub am Baldeneysee
The Boat Race 2026
Live Übertragung, Großer Saal
Samstag, 04.04.2026, 15:00 – 17:00 Uhr
Fotos: Cambridge University Boat Club
Text: Olaf Koch