Mit drei Gig-Doppelvierern und einem gesteuerten Zweier war die Flotte flexibel aufgestellt. So konnten während der Tage in Venedig alle rudern, während auf der Strecke Richtung Grado zusätzlich ein Landdienst für Logistik, Verpflegung und Transporte zur Verfügung stand.
Holpriger Start in Essen, entspanntes Ankommen in Venedig
Die Anreise begann mit einem empfindlichen Dämpfer: Probleme mit der Lichtanlage am Hänger verzögerten die Abfahrt in Essen am Donnerstagabend um mehrere Stunden. Nach der nächtlichen Fahrt erreichten Busse, Boote und Besatzungen schließlich müde, aber unversehrt Venedig.
Der erste Tag stand ganz im Zeichen des Ankommens. Boote wurden aufgeriggert, Quartiere auf dem Campingplatz bezogen und der Großeinkauf für die kommenden Tage organisiert – letzterer mit gleich drei Einkaufswagen. Beim gemeinsamen Abendessen und dem ersten Spritz war dann endgültig klar: Unsere italienische Ruderwoche hatte begonnen.
Lagune von Venedig: Vogalonga, Pirateninsel und springende Fische
Die ersten Tage verbrachten wir in der Lagune von Venedig. Schnell wurde deutlich, dass hier andere Bedingungen herrschen als auf heimischen Gewässern. Wellengang, Orientierung zwischen den Inseln, Schlick und flache Passagen sorgten immer wieder für besondere Herausforderungen. Manchmal schien es tatsächlich, als sei „keine Handbreit Wasser unterm Kiel“. Je nach Mannschaft mussten die Boote auch einmal geschoben oder gezogen werden, während in den engen Kanälen präzises Steuern gefragt war.
Schon die erste Ausfahrt nach Torcello und Burano bot einen eindrucksvollen Einstieg in die venezianische Lagunenwelt. Und hier schon sprangen Fische munter um unsere Boote herum, einer landete sogar direkt vor Steffis Stemmbrett. Schnell lernten wir, dass sich glitschige Lagunenfische gut mit Ruderhandschuhen aus dem Boot befördern lassen – auch wenn diese danach noch lange daran erinnerten :-). Die tierischen Begleitung blieb uns die gesamte Woche erhalten.
Ein Höhepunkt war natürlich die Vogalonga am zweiten Rudertag. Die Atmosphäre mit hunderten Booten und tausenden Rudernden vor der Kulisse Venedigs bleibt unvergesslich. Gleichzeitig verlangten die 48 Kilometer und der starke Wellengang auf dem Rückweg den Mannschaften einiges ab. Müde, stolz und mit Medaille kehrten schließlich alle innerhalb der regulären Zeit zurück.
Nach einem freien Tag in Venedig führte eine weitere Ausfahrt bei drückender Hitze durch eine öde, flirrende Lagunenlandschaft. Mitten im Schlick tauchte zu unserer Überraschung eine kleine „Pirateninsel“ auf – mit uriger Holzhütte, Schaukel, Plumpsklo und schattiger Veranda. Ein ungewöhnlicher und unvergesslicher Ort für die Mittagspause.
In vier Etappen nach Grado
Nach fünf Tagen im Venedig-Camp begann der zweite Teil der Fahrt. Mit viel Gepäck und Proviant ging es über Jesolo, Brian und Lignano in vier Tagesetappen entlang der Adriaküste bis nach Grado.
Die Strecke bot alles, was Lagunenrudern so besonders macht: türkisfarbenes Wasser, dalbengesäumte Wasserstraßen, riesige Fischernetze und kilometerlange Schilfgürtel. Dazwischen warteten italienische Eisdielen, Strandpausen, Moskitos und die eine oder andere Herausforderung beim Anlegen oder Wechseln des Landdienstes.
In Erinnerung bleiben werden die morgendliche Flucht vor dem Rasenmäher an der Einsetzstelle in Jesolo, das blutige Anlegen im Schilf in Brian sowie die schönen Unterkünfte entlang der Strecke. Das Agriturismo in Brian entwickelte sich mit Pool, Wasserball und gemütlichem Barbecue schnell zum Lieblingsquartier.
Je weiter wir Richtung Osten kamen, desto weitläufiger wurde die Landschaft. Die letzte Etappe nach Grado führte noch einmal durch die ganze Vielfalt der Lagunenwelt. Nach einer Mittagspause auf der Insel Anfora genossen wir die letzten Kilometer durch dieses besondere Revier, bevor die Fahrt in Grado ihren Abschluss fand.
Highlights, Lowlights und Dank
Zu den Highlights der Tour gehörten die Vogalonga, die beeindruckenden Lagunenlandschaften, die schönen Unterkünfte mit ihren immer tolleren Frühstücksbuffets, viele gesellige Restaurantabende und sehr schöne Rudertage.
Ganz ohne Schwierigkeiten verlief die Woche allerdings nicht. Das „Lichtproblem“ am Hänger machte die An- und Abreise komplizierter als geplant, Birgits schwerer Unfall beschäftigte uns alle, und die Parkplatzsituation in Grado stellte die Landdienste vor zusätzliche Herausforderungen.
Am Ende bleiben vor allem die schönen Erinnerungen: außergewöhnliche Reviere, sportliche Herausforderungen, italienisches Dolce Vita und eine Gruppe, in der Organisation, Teamgeist und gute Stimmung ganz selbstverständlich funktionierten.
Ein herzlicher Dank gilt Maiken und Berend für ihre Initiative und die hervorragende Organisation der Fahrt sowie allen Beteiligten, die mit ihrem Einsatz, ihrem Können, ihrer Gelassenheit und ihrer Freude am gemeinsamen Rudern diese Woche zu einem richtig schönen Erlebnis gemacht haben.
Bericht: Susanne Becker
Fotos: Teilnehmende der Wanderruderfahrt